Abgesehen davon, dass ich nicht wüsste, wie ich von meinem Angestelltengehalt mehr als einmal im Jahr einen wirklichen "Urlaub" (im Volksmund gleichbedeutend mit: "eine Urlaubsreise", geschweige denn für eine ganze Familie) finanzieren sollte, möchte ich mit diesem despektierlichen Gerücht aufräumen. Ich habe die Sache einmal für das laufende Schuljahr 2007/08 durchgerechnet, vom Beginn des Schuljahres bis zum Ende der kommenden Sommerferien 2008, also dem Beginn des kommenden Schuljahres.
Nehmen wir einmal folgende Dinge an:
- Die wöchentlich zu leistende Arbeitszeit eines Gymnasiallehrers von heute beträgt 40 Stunden.
- Ein vergleichbar (zumindest: einem verbeamteten Lehrer vergleichbar) bezahlter Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft hat 30 Urlaubstage im Jahr.
Ein Berliner Lehrer hätte in derselben Zeit folgende Ferien (in Tagen ausgedrückt):
- Herbstferien: 5 Tage
- Weihnachtsferien: 15 Tage
- Winterferien: 1 Tag
- Osterferien: 10 Tage
- Pfingstferien: 4 Tage
- Sommerferien: 32 Tage
- dazu noch zwei unterrichtsfreie "Brückentage"
Nun rechnen wir 312 Stunden geteilt durch 179 Tage und erhalten eine um 1,74 Stunden längere tägliche Arbeitszeit oder, multipliziert mit 5 Wochentagen, pro Woche 8,72 Stunden wöchentliche Mehrarbeit gegenüber dem Büroangestellten. Runden wir diese Zahl einmal großzügig auf 10 auf, um mögliche Zählungs- und/oder Rundungsfehler auszugleichen, bedeutete dies, dass ein Gymnasiallehrer von heute 50 statt 40 Wochenstunden ableisten müsste, um bei 69 "Urlaubstagen" auf die gleiche Arbeitszeit wie bei 30 Urlaubstagen zu kommen - und damit, wie gesagt, in den Ferien ohne jegliches berufliches Engagement auszukommen.
Meine berufliche Realität sieht nun so aus, dass ich "im Normalbetrieb", wenn also
- kein Mittlerer Schulabschluss ansteht,
- keine Korrektur von Abiturklausuren als Erstkorrektor,
- keine Korrektur von Abiturklausuren als Zweitkorrektor und
- keine Korrektur von "Besonderen Lernleistungen" anstehen, wenn
- keine Statistiken zu fertigen und
- keine Zeugnisse zu schreiben sind,
Wir mögen uns erinnern:
- Als angestellter Lehrer (gehaltvoll "Assessor des Lehramts" tituliert) erhalte ich Monat für Monat etwa 500 € weniger als meine verbeamteten Kolleg(inn)en, bei gleicher zu leistender Arbeitszeit.
- Ich erhalte (zum Teil im Unterschied zu meinen verbeamteten Kolleg(inn)en, aber in aller Regel im Unterschied zu Angestellten in der freien Wirtschaft) kein "Urlaubsgeld" und kein "Weihnachtsgeld" - oder wie immer das auch neumodisch verklausuliert ausgedrückt werden mag.
- Innerschulisch wird dieser Ungleichbehandlung in keiner Weise Rechnung getragen - es wird von mir der gleiche Einsatz, das gleiche Engagement erwartet wie von allen anderen.
Würde ich auch nur ansatzweise "Dienst nach Vorschrift" machen, z. B. zum Zwecke der Sicherung eines Lebensstandards, für den ich jahrelang studiert habe, durch Aufnahme einer Nebentätigkeit, könnten Klausuren nicht termingerecht korrigiert, könnten Zeugnisse (darunter Abiturzeugnisse) nicht termingerecht erteilt werden - und dies nicht aufgrund irgendeiner Form persönlicher Renitenz, sondern allein aufgrund Einhaltung dessen, was seitens der zuständigen Senatsverwaltung von mir formalisiert erwartet wird. Ich frage nochmals: Wie lange wird -bei stetig steigender Zahl der angestellten Lehrer Zweiter Klasse und bei kontinuierlich, auch für Beamte, sich verschlechternden Arbeitsbedingungen- das alles funktionieren können?